
Neulich rief mich ein Elektromeister aus Dörentrup an. Nicht wegen eines Auftrags. Sondern weil er nicht mehr konnte.
Drei Mitarbeiter in 18 Monaten verloren. Zwei in Rente, einer zur Konkurrenz. Ersatz? Fehlanzeige. Die Stellenanzeige bei der Arbeitsagentur läuft seit einem Jahr. Bewerbungen: vier. Brauchbare: null.
„Ich lehne Aufträge ab, Jörg. Nicht weil ich nicht will – sondern weil ich nicht kann.“
Er ist nicht allein. 250.000 Stellen im Handwerk bleiben deutschlandweit unbesetzt. In jedem dritten Handwerksberuf herrscht offiziell Fachkräftemangel. Die Bauelektrik, SHK, Kfz-Technik – überall dasselbe Bild.
Aber hier ist die Sache: Manche Betriebe haben das Problem nicht. Die finden Leute. Die halten Leute. Die wachsen sogar.
Wer nach echten Fachkräftemangel Lösungen sucht, findet meist dieselben oberflächlichen Tipps. Dieser Artikel ist anders. Keine 10 Punkte, die du schon hundertmal gelesen hast. Sondern 5 Strategien, die nachweislich funktionieren – mit Zahlen, mit Beispielen aus der Region, und mit dem einen Schritt, den du heute noch gehen kannst.
Dieser Artikel ist Teil unseres umfassenden Guides Mitarbeiter gewinnen für Handwerksbetriebe.
Fachkräftemangel Lösungen beginnen mit Ehrlichkeit:
Der Schnell-Check
Bevor wir in die Strategien einsteigen, eine kurze Bestandsaufnahme. Fünf Fragen. Sei ehrlich zu dir selbst.
- Würdest du selbst bei dir anfangen wollen – wenn du die Wahl hättest?
- Wann hast du zuletzt deine Stellenanzeige gelesen – mit den Augen eines Bewerbers?
- Weiß ein Fremder innerhalb von 30 Sekunden auf deiner Website, dass du Jobs anbietest?
- Können deine Mitarbeiter freitags um 14 Uhr gehen – ohne schlechtes Gewissen?
- Hat dich in den letzten 12 Monaten ein Mitarbeiter weiterempfohlen?
Zähl deine Ja-Antworten zusammen.
Null bis zwei: Lies diesen Artikel besonders aufmerksam. Hier liegt Potenzial brach.
Drei bis vier: Du bist auf dem richtigen Weg. Die folgenden Ideen werden dir helfen, den nächsten Schritt zu machen.
Fünf: Ruf mich an. Ich will wissen, wie du das machst.
Die folgenden fünf Fachkräftemangel Lösungen basieren auf aktuellen Studien und Praxisbeispielen aus Ostwestfalen-Lippe. Sie kosten wenig bis gar nichts – außer der Bereitschaft, etwas anders zu machen als bisher.
Fachkräftemangel Lösung 1:
Flexible Arbeitszeiten als Gamechanger
Was alle glauben: Handwerk ist Handwerk. Baustelle ist Baustelle. Da kann man nicht flexibel sein. Die Kunden erwarten schließlich, dass jemand kommt.
Was die Zahlen sagen: 78 Prozent der Fachkräfte würden länger im Betrieb bleiben, wenn sie mehr Einfluss auf ihre Arbeitszeit hätten. Das ist keine Vermutung – das zeigt die Studie „lidA – leben in der Arbeit“ der Universität Wuppertal.
Und jetzt kommt der Hammer: Nur 21 Prozent der Handwerker können ihre Anfangs- oder Endzeit überhaupt beeinflussen. Bei Bürojobs sind es 50 Prozent. Bei Führungskräften 70 Prozent. Diese Zahlen stammen vom Institut der deutschen Wirtschaft.
Das bedeutet: Wer im Handwerk flexible Arbeitszeiten anbietet, hat sofort einen Wettbewerbsvorteil gegenüber vier von fünf Mitbewerbern.
Ein SHK-Betrieb aus dem Kreis Lippe hat es vorgemacht. Der Chef hat zwei Schichten eingeführt: Eine Truppe arbeitet Montag bis Donnerstag, die andere Dienstag bis Freitag. Beide machen ihre 40 Stunden – aber jeder hat alle zwei Wochen ein langes Wochenende.
Ergebnis nach einem Jahr: Krankmeldungen minus 30 Prozent. Zwei neue Mitarbeiter gewonnen, die explizit wegen des Arbeitszeitmodells gewechselt haben. Und kein einziger Kundenauftrag, der liegen geblieben wäre – weil immer jemand da ist.
Dein erster Schritt heute: Geh zu deinen Mitarbeitern und frag: „Wenn du dir eine einzige Sache an deiner Arbeitszeit wünschen könntest – was wäre das?“ Hör zu. Schreib auf. Du wirst überrascht sein, wie wenig manche brauchen, um zufriedener zu sein.
Fachkräftemangel Lösung 2:
Benefits, die das Leben verändern
Was alle machen: „Wir bieten Obstkorb, kostenlosen Kaffee und Jobrad!“ Das steht mittlerweile in jeder zweiten Stellenanzeige. Es ist zum Running Gag geworden.
Was Bewerber wirklich wollen: Planbarkeit. Sicherheit. Etwas, das ihr Leben tatsächlich einfacher macht – nicht etwas, das nett klingt.
Das Zukunftsinstitut bringt es auf den Punkt: Zeit ist die neue Währung. Die Vereinbarkeit von Job und Familie sowie flexible Arbeitszeiten gehören heute zu den wichtigsten Kriterien bei der Berufswahl – wichtiger als der fünfte Euro mehr pro Stunde.
Aber es geht noch weiter. Manche Betriebe denken Benefits radikal anders.
Eine Wohnungsbaugesellschaft hier in der Region macht es vor: Neue Mitarbeiter bekommen Unterstützung bei der Wohnungssuche – oder direkt eine Wohnung aus dem eigenen Bestand. Sie haben ein Karriereportal aufgebaut, das diese Benefits klar kommuniziert. Fotos vom Team, echte Einblicke, einfache Online-Bewerbung.
Das Ergebnis? Bewerber aus ganz Deutschland. Während andere Betriebe händeringend suchen, können sie auswählen.
Natürlich hat nicht jeder Handwerksbetrieb Wohnungen im Angebot. Aber die Frage dahinter lautet: Was könntest du bieten, das einen echten Unterschied im Leben deiner Mitarbeiter macht?
Firmenwagen, den man auch privat nutzen darf? Garantiert freie Brückentage? Übernahme der Weiterbildungskosten für den Meister? Kinderbetreuungszuschuss?
Dein erster Schritt heute: Schreib drei Dinge auf, die du bieten könntest – aber bisher nie kommuniziert hast. Dann pack sie in deine nächste Stellenanzeige. Nicht als Aufzählung zwischen Obstkorb und Kaffee. Sondern als Hauptargument.
Diese Fachkräftemangel Lösung kostet dich nichts außer Mut, ehrlich zu kommunizieren.
Deine Benefits richtig kommunizieren?
Seit 30 Jahren unterstützen wir Handwerksbetriebe und KMUs in Bielefeld, Lippe, Paderborn und ganz OWL dabei, als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Von der Karriereseite bis zur Stellenanzeige, die wirklich funktioniert.
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Jetzt unverbindlich anfragenFachkräftemangel Lösung 3:
Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter
Was alle glauben: Stellenanzeigen sind der Weg, um Mitarbeiter zu finden. Also mehr Budget für die Jobbörse, bessere Formulierungen, vielleicht noch ein Recruiting-Video.
Was die Realität zeigt: Die besten Mitarbeiter kommen über Empfehlungen. Punkt.
In 30 Jahren Arbeit mit Handwerksbetrieben habe ich keinen einzigen erlebt, bei dem das anders war. Die Azubis, die geblieben sind? Kamen über bestehende Mitarbeiter. Die Gesellen, die heute Meister sind? Wurden von Kollegen angesprochen. Die Fachkräfte, die zur Konkurrenz gewechselt sind? Haben dort jemanden gekannt.
Warum das so ist? Deine Mitarbeiter kennen Leute aus der Branche. Sie wissen, wer gut ist. Sie wissen auch, wer beim aktuellen Arbeitgeber unzufrieden ist. Sie reden mit Kollegen auf der Baustelle, beim Großhändler, in der Berufsschule.
Sie machen nur den Mund nicht auf. Weil du sie nie gefragt hast.
Ein Dachdecker aus Bad Salzuflen hat das geändert. Er hat ein einfaches Programm eingeführt: 500 Euro für jeden Mitarbeiter, der jemanden bringt – der länger als sechs Monate bleibt. Keine komplizierten Regeln. Schriftlich. Verbindlich.
Im ersten Jahr: drei Einstellungen über Empfehlungen. Kosten: 1.500 Euro. Eine Stellenanzeige bei StepStone kostet ähnlich viel – und bringt im Handwerk oft genau null brauchbare Bewerbungen.
Dein erster Schritt heute: Sag deinem Team diese Woche: „Ab sofort gibt es 500 Euro für jeden, den ihr bringt und der länger als sechs Monate bleibt.“ Mach es offiziell. Häng es ans schwarze Brett. Und dann warte ab, was passiert.
Fachkräftemangel Lösung 4:
Sichtbar werden als Arbeitgeber
Was alle machen: Irgendwo auf der Website gibt es einen Link namens „Jobs“ oder „Karriere“. Dort findet man ein PDF mit einer Stellenanzeige, die aussieht wie aus dem Jahr 2008. Oder noch schlimmer: „Aktuell keine offenen Stellen“ – obwohl der Betrieb händeringend sucht.
Was funktioniert: Ein echtes Karriereportal. Mit Fotos vom Team. Mit den Benefits, die ihr bietet. Mit einem Bewerbungsformular, das keine 45 Minuten dauert.
Die bittere Wahrheit: 73 Prozent der Handwerksbetriebe haben keine vernünftige Karriereseite. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer eine hat, sticht automatisch heraus.
Denk mal darüber nach, wie Bewerber heute suchen. Sie googeln „Elektriker Job Bielefeld“ oder „SHK Stelle Paderborn“. Oder sie schauen sich Betriebe in ihrer Nähe an und klicken auf die Website.
Und dann? Dann sehen sie eine Seite, die aussieht wie ein digitaler Aktenordner. Keine Gesichter. Keine Einblicke. Keine Ahnung, wie es wäre, dort zu arbeiten.
Ein Handwerksbetrieb ist kein gesichtsloses Unternehmen. Er ist der Chef, der morgens als erster da ist. Er ist das Team, das zusammen Mittag macht. Er ist die Atmosphäre auf der Baustelle.
Zeig das.
Fachkräftemangel Lösungen wie diese unterscheiden Betriebe, die wachsen, von denen, die stagnieren.
Dein erster Schritt heute: Öffne deine Website auf dem Handy. Stell dir vor, du bist ein Bewerber, der dich nicht kennt. Findest du in 10 Sekunden, dass du Jobs anbietest? Siehst du Gesichter? Weißt du, warum du hier arbeiten solltest? Wenn die Antwort dreimal Nein ist – weißt du, wo du anfangen musst.
Fachkräftemangel Lösung 5:
Erfahrene Mitarbeiter halten
Was alle übersehen: Die gesamte Diskussion dreht sich um Azubis und junge Fachkräfte. Wie kriegen wir die Jugend ins Handwerk? Wie machen wir den Beruf attraktiver für die Generation Z?
Alles berechtigt. Aber dabei übersehen wir etwas Entscheidendes.
Jedes Jahr verlassen 191.000 Fachkräfte die sogenannten Engpassberufe – also genau die Bereiche, in denen ohnehin schon Mangel herrscht. Sie wechseln in andere Branchen oder gehen früher in Rente als nötig. Nur 167.000 kommen nach. Diese Zahlen stammen von der Bertelsmann Stiftung. Unterm Strich verliert das Handwerk Jahr für Jahr die Einwohnerzahl einer Kleinstadt.
Was die Zahlen sagen: Zwei Drittel der Über-50-Jährigen wollen maximal bis 64 arbeiten. Der Hauptgrund ist nicht etwa Gesundheit oder zu schwere Arbeit. 83 Prozent nennen den Wunsch nach mehr freier Zeit.
Und jetzt der entscheidende Punkt: 78 Prozent dieser Menschen wären bereit, länger zu arbeiten – wenn sie mehr Einfluss auf ihre Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen hätten.
Das bedeutet: Du verlierst erfahrene Mitarbeiter nicht, weil sie nicht mehr können. Du verlierst sie, weil sie nicht mehr wollen – unter den aktuellen Bedingungen.
Was wäre, wenn dein 58-jähriger Geselle ab nächstem Jahr nur noch vier Tage arbeitet? Du hättest ihn noch fünf Jahre länger statt zwei. Das sind 780 zusätzliche Arbeitstage – statt null.
Dein erster Schritt heute: Sprich mit deinen Mitarbeitern über 55. Nicht über Rente. Sondern über die Frage: „Was müsste passieren, damit du noch zwei, drei Jahre länger dabei bleibst?“ Vielleicht ist es weniger Arbeit. Vielleicht ist es eine andere Aufgabe. Vielleicht ist es nur das Gefühl, gebraucht zu werden. Du erfährst es nur, wenn du fragst.
Fachkräftemangel Lösungen umsetzen:
Fang heute an!
Du kannst den Fachkräftemangel nicht lösen. Das kann niemand. Nicht die Politik, nicht die Verbände, nicht die Berufsschulen.
Aber du kannst aufhören, ihn schlimmer zu machen.
Indem du die Leute hältst, die du hast.
Indem du denen, die kommen könnten, einen echten Grund gibst.
Indem du nicht das tust, was alle tun – sondern das, was funktioniert.
Es ist wichtig, eine offene und ehrliche Kommunikation zu pflegen. Ermutige deine Mitarbeiter, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern. Zeige ihnen, dass ihre Meinung zählt und dass du bereit bist, Veränderungen in Betracht zu ziehen. So schaffst du nicht nur ein angenehmeres Arbeitsumfeld, sondern bindest auch wertvolle Talente langfristig an dein Unternehmen.
Diese fünf Fachkräftemangel Lösungen sind keine Theorie – sie funktionieren in echten Betrieben hier in OWL. Jeden Tag.
Fang heute an. Ein Schritt reicht.
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